Benin-Bronzen in Deutschland

 

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die Leitungen der deutschen Mitgliedsmuseen der Benin Dialogue Group, die zuständigen Kulturministerinnen und -minister der Länder sowie Vertreter des Auswärtigen Amts haben sich am 29. April 2021 zu einer digitalen Gesprächsrunde getroffen und eine gemeinsame Erklärung zum weiteren Umgang mit den Benin-Bronzen in deutschen Museen beschlossen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stimmten darin überein, dass die Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ein zentrales kulturpolitisches Handlungsfeld ist. In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland bereits grundlegende politische Verabredungen getroffen und wichtige Schritte umgesetzt. Auch haben deutsche Museen und Einrichtungen zahlreiche Maßnahmen zur Aufarbeitung der Herkunftsgeschichte ihrer Bestände ergriffen. Hierzu zählen auch Rückführungen menschlicher Überreste und Kulturgüter aus kolonialen Kontexten an die betreffenden Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften.

Darüber hinaus verständigten sich die Beteiligten darauf, 1. umfassende Transparenz über die in ihren Sammlungen und Ausstellungen befindlichen Benin-Bronzen herzustellen; 2. zeitnah und koordiniert weitere Gespräche mit der nigerianischen Seite über Rückführungen und künftige Kooperationen zu führen; dabei wird auch eine Verständigung mit den nigerianischen Partnern darüber angestrebt, wie Benin-Bronzen auch weiterhin in Deutschland gezeigt werden können; und 3. konkrete Handlungsschritte und einen Fahrplan für die anstehenden Gespräche zu entwickeln. Die Erklärung zum Umgang mit den in deutschen Museen und Einrichtungen befindlichen Benin-Bronzen finden Sie hier.

Datenbank der Benin-Bronzen in Deutschland

Um aktiv größtmögliche Transparenz herzustellen wurde vereinbart, dass die von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ bis zum 15. Juni 2021 – zusätzlich zu Informationen auf museumseigenen Webseiten – eine Aufstellung aller im Besitz der Museen befindlichen Benin-Bronzen auf ihrer Webseite (www.cp3c.de) veröffentlicht. Auch werden die Museen bis Ende 2021 die Provenienzen zu diesen Objekten umfassend dokumentieren und auf der Webseite der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland öffentlich zugänglich machen. Soweit Benin-Bronzen in Ausstellungen gezeigt werden, wird der Erwerbungskontext umfassend dargestellt.

Die von der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland erstellte Datenbank zu den Benin-Bronzen in Deutschland ist hier zugänglich.

Gegenstand der Datenbank sind Objekte, die der höfischen Kunst des Königreichs Benin zuzuordnen sind (gemeinhin als „Benin-Bronzen“ bezeichnet), im Jahr 1897 von der britischen Armee aus Benin (heute Teil von Nigeria) geplündert wurden und heute in Museen in Deutschland aufbewahrt werden.

Die Datenbank wird kontinuierlich aktualisiert und um Informationen und Daten weiterer Einrichtungen mit relevanten Sammlungsbeständen erweitert. Außerdem wird die Datenqualität schrittweise verbessert werden (z. B. Bildqualität, Beseitigung von Uneinheitlichkeiten, Übersetzung deutscher Begriffe in das Englische). Aktuell (Stand 15. Juni 2021) sind in der Datenbank die Objekte folgender deutschen Mitgliedsmuseen der Benin Dialogue Group auffindbar:

Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Das aus der königlichen Kunstkammer hervorgegangene Ethnologische Museum gehört seit seiner Gründung 1873 international zu den größten und bedeutendsten seiner Art.

In seinen Sammlungen befinden sich circa 500.000 ethnografische, archäologische und kulturhistorische Objekte aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien. Diese werden durch circa 500.000 Medien (ethnografische Fotografien, Filme, Tondokumente) und rund 200.000 Seiten Schriftdokumente ergänzt.

Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin setzt sich mit dem Erbe und den Konsequenzen des Kolonialismus, mit der Rolle und Perspektive Europas kritisch auseinander. Reflexion des eigenen Standpunkts, Partnerschaften mit den Herkunftsgesellschaften in Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika sollen einseitige eurozentrische Sichtweisen offenlegen, ohne jedoch die gegebenen europäischen Bezüge zu verleugnen.

Ab Spätsommer 2021 werden im Humboldt Forum Dauerausstellungen verschiedener Akteure zu sehen sein, u. a. die Sammlungspräsentation des Ethnologischen Museums.

503 historische Objekte aus dem Königreich Benin sind Teil der Sammlungen des Ethnologischen Museums und zwei Objekte befinden sich in den Sammlungen des Museum Berggruen. Eine Liste gibt einen Überblick über diese Objekte sowie wie und wann sie in die Berliner Sammlung gelangten.

Linden-Museum Stuttgart

Mit rund 160.000 Alltagsgegenständen, Kunstwerken und sakralen Objekten aus den Sammlungsbereichen Afrika, Islamischer Orient / Sibirien, Nord- und Lateinamerika / Karibik, Ozeanien sowie Ost-, Südost- und Südasien beherbergt das 1911 eröffnete Linden-Museum Stuttgart eine der bedeutendsten ethnologischen Sammlungen in Europa.

Das Linden-Museum ermöglicht in Ausstellungen und einem facettenreichen Veranstaltungs-und Vermittlungsprogramm Begegnungen mit anderen Lebenswelten und fördert das Verständnis verschiedener Weltsichten. Das Museum versteht sich als Bewahrer und Vermittler kulturellen Erbes, es erklärt, differenziert und verbindet.

Das Museum setzt sich aktiv mit Praktiken ethnografischen Sammelns, seiner eigenen kolonialen Geschichte, der Provenienz seiner Sammlungen sowie kolonialzeitlichen Strukturen und ihren Nachwirkungen in der Gegenwart, mit der Verteilung von Deutungshoheit im musealen Betrieb und der Rolle ethnologischer Museen heute auseinander. Projekte entstehen in partizipativen Prozessen mit Angehörigen und Interessensvertreter*innen der Herkunftsgesellschaften, Angehörigen der diversen Stuttgarter Stadtgesellschaft sowie internationalen Wissenschaftler*innen.

Im Zuge einer Neuausrichtung entwickelt und erprobt das Linden-Museum derzeit im Projekt LindenLAB, gefördert im Rahmen der Initiative für Ethnologische Sammlungen der Kulturstiftung des Bundes, neue Formen musealer Wissensproduktion, Vermittlung und Präsentation. Das Museum ist aktiver Partner in internationalen Netzwerken.

Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg

1871 entstand aus der ethnografischen Sammlung der Hamburger Gelehrtenschule Johanneum das "Culturgeschichtliche Museum". Es wurde 1879 in Museum für Völkerkunde umbenannt und erhielt 1904 mit Georg Thilenius (1868-1937) den ersten hauptamtlichen Direktor und 1912 ein eigenes Haus. Im Jahr 2017 besiegelte die Umbenennung in "Museum am Rothenbaum: Kulturen und Künste der Welt" (MARKK) eine lange angebahnte programmatische Wende und Dekolonisierung des Museums.

Die Museumssammlung besteht aus einem Sollstand von rund 260 000 Nummern an Objekten aus allen Weltteilen einschließlich Europas und Deutschlands. Die genaue Zahl wird gerade in einer Gesamtinventur erschlossen, ca. ein Drittel ist als Kriegsverlust des Zweiten Weltkrieges zu erwarten. Die genaue Zahl der aus kolonialen Zusammenhängen stammenden Objekte lässt sich nicht genau benennen, es handelt sich wohl mindestens um ein geschätztes Drittel der Sammlung.

Zahlreiche Menschen aus Herkunftsgesellschaften, Forscher*innen und politischen Aktivist*innen haben den Wunsch nach einem kompletten Einblick in die Bestände ethnographischer Museen. Daher veröffentlichte das MARKK 2020 zentrale Felder seiner Sammlungsdatenbank als Listen auf der Museumswebseite.

Die Listen sind nach Regionen gegliedert. Sie enthalten unbereinigte Daten und Notizen aus verschiedenen Phasen der Museumsgeschichte. Viele Bezeichnungen in den Listen werden inzwischen als unzutreffend, veraltet oder rassistisch beleidigend verstanden, sind jedoch aus historischen Gründen mit aufgeführt. Aus demselben Grund enthalten die Listen auch Objekte, die sich heute aufgrund von Kriegseinwirkung, Objekttausch, Restitution oder Zerfall organischen Materials nicht mehr oder nicht mehr komplett im Museum befinden.

Die Datenbank des Museums wird auf der Basis von Forschungen kontinuierlich überarbeitet. Die Einrichtung einer Online-Sammlung ist in Vorbereitung.

Rautenstrauch Joest Museum – Kulturen der Welt in Köln

Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) wurde 1906 am Ubierring in Köln eröffnet und seit Januar 2019 von der Niederländerin Nanette Snoep geleitet. Der Sammlungsbestand umfasst etwa 70.000 Objekte aus Ozeanien, Asien, Afrika und den Amerikas und 100.000 historische Fotografien. Köln war eine der Hochburgen der deutschen Kolonialbewegung. Die Gründungsgeschichte des RJM fällt auch in diese Epoche und ein wichtiger Teil der Sammlung stammt aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das Museum befindet sich seit 2010 in einem Neubau am Neumarkt, in dem es neben Sonderausstellungen eine große kulturvergleichende Dauerausstellung präsentiert, die in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit Expert*innen aus dem Globalen Süden und aus der Diaspora überarbeitet und weiterentwickelt werden wird. Dabei werden Fragestellungen zum kolonialen Erbe, die Institutionsgeschichte und die Geschichte des Erwerbskontextes von Sammlungsobjekten in den Fokus gerückt und nach neuen, interdisziplinären Herangehensweise für Vermittlung von komplexen Fragestellungen und Einbindung von Besucher*innen mit oder ohne Vorwissen gesucht.

Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) besitzt mit 94 höfischen Kunstwerken aus dem Königreich Benin die viertgrößte Sammlung in Deutschland. Die Kunstwerke gelangten zwischen 1899 und 1967 als Schenkungen und Ankäufe ins Museum. Es gilt als gesichert, dass sie alle zu den im Februar 1897 von der britischen Armee aus dem Königspalast von Benin geraubten Werken gehören. Die ältesten und hochwertigsten Kunstwerke datieren aus der Zeit zwischen dem 16. und 17. Jh. und der größte Teil von Mitte des 18. Jh. bis Ende des 19. Jh. 65 der 94 Benin-Bronzen des RJM wurden bereits vor 1902 von der Familie Rautenstrauch – Namensgeberin und wichtige Mäzenatin des Museums – in Auktionshäusern in London erworben und der Stadt Köln geschenkt.

Eine historische und ikonografische Einordnung dieser 94 Hofkunstwerke stand trotz ihrer internationalen Bedeutung noch aus, weshalb das RJM, unterstützt von der Museumsgesellschaft RJM e.V. mit Mitteln aus dem Vermächtnis von Ludwig Theodor, 2020 einen ersten Überblick über die Herkunft der höfischen Kunstwerke sowie seit 2021 eine Grundlagenstudie zur Analyse der Techniken und Materialien der Sammlung veranlasste. Ein erster sammlungshistorischer Bericht sowie das komplette Inventar der Sammlung sind seit Januar 2020 auf der Webseite des RJM zugänglich. Zudem sind alle 94 Hofkunstwerke des RJM seit November 2020 erstmals anlässlich der Sonderausstellung "RESIST! Die Kunst des Widerstands." vollständig präsentiert sowie ihre Provenienz den Besucher*innen vermittelt.

Sammlung von höfischen Kunstwerken aus dem Königreich Benin (Edo State, Nigeria) des RJM

Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen im Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) bestehen aus den drei ethnologischen Museen in Leipzig, Dresden und Herrnhut. Der Verbund gehört zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und beherbergt an den drei Standorten rund 350.000 Objekte, 200.000 Bilddokumente und 350.000 bibliothekarische Einheiten. Damit bilden die SES die zweitgrößte ethnologische Sammlung in Deutschland. Aufgrund dieser Größe ist für die SES die Erforschung der Bestände insbesondere hinsichtlich der Erwerbungs- und Sammlungsumstände und damit der Schaffung von Transparenz eine der wichtigsten Aufgaben. Daneben positionieren sich die drei Museen mit ihren jeweiligen Profilen im internationalen Kontext zwischen (post-)kolonialer Aufarbeitung, Restitution und Repatriierung sowie neuen gegenwarts- und zukunftsbezogenen Schwerpunktsetzungen in der thematischen Ausrichtung. Beispielhaft steht hier das von der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen der Initiative für ethnologische Sammlungen geförderte Zukunftsprogramm (Re)inventing Grassi 2023 in Leipzig. In mehreren Teilprojekten wandelt sich bis 2023 die bisherige Dauerausstellung hin zu einem Netzwerkmuseum, welches sich reflexiv mit der eigenen Geschichte beschäftigt, Position in derzeitigen Debatten bezieht und in thematisch orientierten Ausstellungsbereichen Impulse zu aktuellen und zukunftsrelevanten Fragestellungen gibt.

In den SES befinden sich gegenwärtig 263 historische Werke aus dem Königreich Benin, wobei die Sammlung des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig 88 Nummern zählt und die des Museums für Völkerkunde Dresden 185. Die Werke gelangten zwischen 1898 und 2001 durch Schenkungen, Tausch und Ankauf in die Sammlungen der SES. Vor allem Mäzenen wie Arthur Baessler mit 148 und Hans Meyer mit 61 Werken waren daran beträchtlich beteiligt. 

Städtisches Museum Braunschweig

Das Städtische Museum wurde 1861 im Zuge einer Bürgerinitiative anlässlich der Jahrtausendfeier der Stadt von Braunschweiger gegründet. Deren Ziel es war, „erhaltenswerte Gegenstände“ des Herzogtums Braunschweig zusammenzutragen. Der Eingang von Artefakten aus der nicht-europäischen Welt ist dabei erstmals 1865 belegt.

Zunächst noch als „Merkwürdigkeiten“ bzw. „Varia“ betrachtet, kristallisierten sich am Städtischen Museum ab den 1870er-Jahren ein eigenständiger ethnografischer Sammlungsschwerpunkt heraus, der insbesondere zwischen 1893 und 1917 gezielt ausgebaut wurde. Seither prägt dieser - neben den Bereichen Kunst, Kunstgewerbe, Designgeschichte, historische Musikinstrumente und Numismatik - das Profil dieser bedeutenden Kultureinrichtung Niedersachsens.

Heute umfasst die ethnografische Sammlung des Städtischen Museum knapp 9.000 Objektnummern. Regionale Schwerpunkte der weltweiten Sammlung bilden Afrika, Indonesien und Ozeanien. Die Sammlung enthält aber auch andere Höhepunkte, unter denen insbesondere Raritäten aus Nordamerika hervorzuheben sind.

Das Städtische Museum fühlt sich dezidiert der kritischen Aufarbeitung der kolonialen Bezüge ihrer ethnografischen Bestände verpflichtet. Dieser Haltung wurde nicht nur durch eine personelle Aufstockung im Bereich der Provenienzforschung Ausdruck verliehen. Sie findet ihren Niederschlag auch in der Neukonzeption der ethnologischen Dauerausstellung, die 2022 eröffnet werden soll. Das Augenmerk wird hier auf dem Aspekt der Erwerbskontexte und der Identifizierung von Beständen aus kolonialen, insbesondere auch deutsch-kolonialen Unrechtskontexten liegen. Eine herausragende Bedeutung wird dabei auch derzeit laufenden kollaborativ umgesetzten Provenienz- und Restitutionsinitiativen mit Partnern in Kamerun und Namibia zukommen.

Museum Folkwang

Das Museum Folkwang wurde 1902 von dem Sammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus in Hagen eröffnet. Nach seinem Tod 1922 wurde die Sammlung vom Essener Folkwang-Museumsverein und der Stadt Essen erworben. Seitdem besteht das Museum Folkwang in Essen. Die heutigen Schwerpunkte der Sammlung bilden die moderne und zeitgenössische Kunst seit dem 19. Jahrhundert aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Medienkunst, Grafik, Fotografie sowie Plakat. 

Zu dem von Karl Ernst Osthaus in den Jahren zwischen 1898 und 1921 angelegten Grundstock der Sammlung gehören neben Kunstwerken der klassischen Antike und angewandter Kunst aus Europa auch Objekte aus West- und Ostafrika, Mittel- und Südamerika, Ozeanien und vor allem Ostasien. Der Gesamtumfang des Bestandes, der bis in die 1970er-Jahre erweitert wurde, beträgt heute 1704 Inventarnummern.

Das Museum Folkwang setzt sich mit den Diskursen um Rassismus, der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und der Rolle auseinander, die es selbst als Kulturinstitution darin spielte. Es erkennt an, dass es mit den Erweiterungen seiner Sammlungsbestände und deren Präsentation Anteil an der Verbringung von Objekten verschiedener Kulturen nach Europa sowie der Verbreitung rassistischer und stereotyper Vorstellungen hatte, und bemüht sich um eine angemessene Aufarbeitung seiner Bestände und seiner Geschichte. Einem Austausch mit den Herkunftsgesellschaften der heute in Essen verwahrten Objekte steht es aufgeschlossen gegenüber. 

Das Museum Folkwang besitzt ein Objekt aus dem ehemaligen Königreich Benin. 

Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen

Die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen ist eine der bedeutendsten Lehr- und Forschungssammlungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Anfänge reichen bis in die Zeit der Aufklärung zurück. 

Die Geschichte der Sammlung beginnt im Jahr 1773 mit dem Entstehen des Academischen Museums an der Göttinger Universität. Der Initiative des Medizinprofessors Johann Friedrich Blumenbach ist es zu verdanken, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Kulturzeugnisse aus der Südsee („Cook/Forster-Sammlung“) und der arktischen Polarregion („Baron von Asch-Sammlung“) nach Göttingen gelangten. Nach Blumenbachs Tod im Jahr 1840 wurde die Sammlung zunächst von Gelehrten anderer Disziplinen betreut. 1928 begann mit den vorhandenen Objekten der ethnologische Fachunterricht in Göttingen.

Aktuell umfasst die Sammlung ca. 18.000 Objekte aus allen Kontinenten. Weiterhin zählen Grafiken und Gemälde, Archivalien, Fotografien sowie Hands-On-Objekte der Museumspädagogik zu ihrem Bestand. Im Rahmen von Digitalisierungsmaßnahmen ist die Sammlung auch zunehmend im Online-Sammlungsportal der Georg-August-Universität Göttingen einsehbar. Bestände aus kolonialien Kontexten werden zustäzlich in die Datenbank des niedersächsischen Provenienzforschungs-Verbundprojetes PAESE eingespeist. Die analogen Bestandskataloge stehen als .pdf-Dateien zum Download zur Verfügung.

Die bewahrten Gegenstände werden in Forschungsprojekten unter vielfältigen Fragestellungen erschlossen. In Seminaren finden sie zur Ausbildung der Studierenden Verwendung. Darüber hinaus ist die Sammlung in Form von Dauer- und Sonderausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich (zur Zeit: geschlossen wegen Generalsanierung).

Ethnographische Sammlung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Anfänge der Ethnografischen Studiensammlung gehen auf Dr. Erika Sulzmann zurück, die 1948 als Assistentin an das neueingerichtete damalige Institut für Völkerkunde der Johannes Gutenberg-Universität Mainz kam und ab 1950 die Sammlung gründete. Den Grundstock bilden die über 500 Objekte von den Bolia und Ekonda aus dem äquatorialen Regenwald des Kongo, die während der "Mainzer Kongo-Expedition" (1951-54) unter Leitung von Erika Sulzmann zusammen mit Ernst W. Müller gesammelt wurden. Dieser Reise folgten zwischen 1956 und 1980 noch acht weitere Reisen zu den Bolia und ihren Nachbarn, bei denen Erika Sulzmann den Bestand der Mainzer Sammlung beständig erweiterte. Dazu kamen in den 1950er und 1960er Jahren Forschungsreisen nach Pakistan (Hindukusch-Expedition 1955/56), Afghanistan (Stuttgarter Badakshan-Expedition 1962/63) und Westafrika (u.a. Hamburger Obervolta-Expedition 1954/55; Haberland-Reise 1966). Durch den Tausch mit verschiedenen Instituten und Museen wurde die Sammlung ergänzt und ausgebaut. Mit dem Frobenius-Institut in Frankfurt tauschte man 1968 Objekte von den Ekonda gegen eine kleine Äthiopien-Sammlung. Im Jahr 1971 gab das Institut die 732 umfassende wertvolle Pakistan- und Afghanistan-Sammlung an das Linden-Museum in Stuttgart und erhielt im Tausch 637 Objekte vor allem aus Afrika (u.a. von den Maasai und aus dem Kameruner Grasland), aber auch aus Ozeanien (vor allem Papua-Neuguinea und Australien).

Heute bewahrt die Ethnografische Studiensammlung knapp 3.000 Objekte, hauptsächlich aus Zentral- und Westafrika sowie aus Australien, Papua-Neuguinea und anderen Regionen Ozeaniens. Es ist eine große Bandbreite von Objekten, von Haushaltsgegenständen und Musikinstrumenten über Textilien und religiöse Objekte bis hin zu Waffen. Es ist die einzige Sammlung ihrer Art in Rheinland-Pfalz und eine der größten Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 1992 ist Dr. Anna-Maria Brandstetter Kuratorin der Sammlung. Die Objekte werden in der Lehre genutzt.

Etwa 1.680 Objekte wurden im kolonialen Kontext vom Ende des 19. Jh. bis in die Mitte des 20. Jh. nach Europa verlagert, vielfach als Raub- oder Beutegüter unter Anwendung von Druck, Erpressung und Gewalt. Die Objekte sind daher zum einen historischen Objekte, die auf vergangene Lebenswelten verweisen, und gleichzeitig erzählen sie von ihrer Aneignung in Europa im Kontext der kolonialen Eroberungen in Afrika oder Ozeanien.

In der digitalen Sammlung "Gutenberg Objects" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz werden bis Oktober 2021 etwa 360 Objekte aus kolonialen Kontexten aus Kamerun, Kenia und Tansania zugänglich sein. Weitere 130 Objekte aus Papua-Neuguinea und Australien folgen dann Ende 2021/ Anfang 2022.